Zeit für Entscheidungen
Heute bekam ich ganz unverhofft einen Anruf.
Ein nahegelegener Landmaschinenhändler meldete sich bei mir.
Aufgrund eines Förderprogramms für junge Landwirte hatte ich mich vor einiger Zeit für eine Reihe von Maschinentests registrieren lassen – eher nebenbei, ohne große Erwartungen.
Und jetzt kam tatsächlich die Rückmeldung.
Es geht darum, verschiedene Maschinen im praktischen Einsatz zu testen – direkt auf dem eigenen Betrieb.
Der Anruf liegt kaum zwei Stunden zurück, da stehe ich schon auf dem Hof des Händlers.
Viel Zeit zum Überlegen bleibt wieder einmal nicht. Einsteigen, anschauen, mitnehmen. Es ist ein John Deere aus der 5M‑Baureihe.
Kein riesiger Schlepper, eher die kompakte, wendige Klasse.
Man merkt ihm an, dass er bereits im Einsatz war. Zwei andere Kollegen hatten ihn schon im Test – er kommt also nicht jungfräulich auf den Hof, sondern bringt schon seine eigene kleine Geschichte mit.
Statt der ursprünglich vorgesehenen zwei Wochen – im besten Fall sogar mehrere Monate – bleiben mir gerade einmal sieben Tage. Leider gab es da ein pssr kleine Missverständisse, die uns aber nun auch nicht aus der Bahn werfen sollen.
Wie man unschwer erkennen kann , sind alle hellauf begeisert und unsere kleinste übernimmt bereits das Ruder !!
Nun aber nicht zu viel Zeit verlieren.
Eigentlich kommt die Vorführmaschine genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben bereits Ende Mai, und der erste Schnitt steht schon länger an. Doch die anhaltende Trockenheit hat ihre Spuren hinterlassen – auf den Wiesen steht wenig, und das, was da ist, wirkt hart und dürr.
Also Plan ändern. Statt Grassilage wird direkt Heu gemacht.
Aber dafür muss erstmal gemäht werden. Also den 5M angespannt, Talex und Pöttinger-Mähwerk angehängt – und raus auf die Wiesen.
Jetzt zeigt sich, was der Kleine kann.
Nachmittags noch einmal gewendet und den kommenden Tag dann mit den 710 ab zum Schwad legen.
Nun aber flott.
Für den Nachmittag ist nach langer Zeit endlich Regen angesagt – allerdings genau zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Also keine Zeit verlieren. Schnell noch die Presse abgeschmiert und an den 3640 gehängt. Für solche Arbeit traue ich dem 5M dann doch noch nicht ganz – da setze ich lieber auf Bewährtes.
Jetzt heißt es zügig arbeiten, bevor das Wetter umschlägt.
Eine sehr überschaubare Menge an Ballen. Bei 6,3 Hektar hätte ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft.
21 Ballen in 125er Größe – das ist alles andere als überragend. Die Trockenheit hat hier deutlich ihre Spuren hinterlassen.
Man sieht es nicht nur auf dem Feld, sondern jetzt auch ganz konkret im Ergebnis. Zufrieden macht das nicht.
Nach dem Regen kommt meist wieder die Sonne.
Der Testzeitraum des 5M ist inzwischen schon vorbei. Im Großen und Ganzen muss ich zugeben: Der Traktor hat richtig Spaß gemacht – leistungsstark, kompakt und genau passend für viele Arbeiten am Hof.
Doch lange bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken. Schnell noch die Tiere versorgt, dann geht’s weiter. Rauf aufs Quad.
Heute ergibt sich die Gelegenheit, nebenbei noch etwas Geld zu verdienen – Lohnarbeit steht an. Pressen für einen nahegelegenen Großbetrieb.
Dort hat man bereits begonnen, die ersten Felder mit Wintergerste zu ernten und leider hat der Lohner aufgrund des scheinbar grossen Auftragdurckes, keine Zeit das Stroh in Form zu pressen.
Zum Abschluss der Arbeiten ergab sich noch ein kurzer, aber angenehmer Austausch mit einem der Söhne des Großbetriebs. Er wartete gerade darauf, die Ballen auf seinen Tieflader zu verladen.
Am Abendtisch kam das Thema noch einmal auf den Tisch:
Die Situation ist nicht einfach.
Die Absage auf Teilzeit im Hauptjob steht fest, die Möglichkeit, dort Stunden zu reduzieren, fällt also erstmal weg. Gleichzeitig sind die Urlaubstage bereits aufgebraucht – und die Ernte lässt sich nun mal nicht verschieben.
Ein Sabbatical wäre vielleicht eine Lösung gewesen, doch auch das scheint laut Aussage meines Chefs keine wirkliche Option zu sein.
Also bleibt nicht viel Spielraum.
Morgen werde ich wohl im Personalbüro anrufen müssen.
Irgendeine Lösung muss es geben.
Denn eines ist klar:
So wie es jetzt läuft, lässt sich das auf Dauer nicht durchhalten.
Zwischen Verantwortung im Job und den Anforderungen am Hof entsteht ein Druck, der sich nicht einfach ignorieren lässt.
Und genau jetzt zeigt sich wieder:
Es geht nicht nur um Maschinen und Flächen –
sondern darum, wie man sein eigenes Leben in Balance hält.